Das Hörzentrum

Das Hörzentrum liegt tief versteckt in einer Windung der Großhirnrinde und ist nicht größer als ein Daumennagel. Es wird auch primärer Cortex genannt.
Diesen Cortex haben wir auch gleich zwei Mal, ein Mal in der linken Gehirnhälfte und ein Mal in der rechten.

 

Aufbau des Gehirns
Abbildung 1: Aufbau des Gehirns
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Die Arbeitsweise des Gehirns bei akustischen Hörerlebnissen ist noch relativ unerforscht. Man legte den Schwerpunkt in der Vergangenheit mehr auf die optische Wahrnehmung. Ebenfalls leiden die meisten Menschen bei Hörschäden eher an Behinderungen oder Einschränkungen der Ohren selbst und weniger an Fehlfunktionen des Gehirns.

 

Neuste Forschungen ergaben, dass der Hörcortex elf verscheidene auditorische Felder aufweist, die für sämtliche Schallfrequenzen zuständig sind. Das bedeutet, dass wie bei dem Sehzentrum auch hier die einzelnen Bereiche unterschiedliche Aufgaben übernehmen.

 

Der linke Hörcortex zum Beispiel scheint eine wesentlich größere Rolle beim Interpretieren der akustischen Signale zu spielen als der rechte. Denn die linke Gehrinhälfte ist beim Herausfiltern von bestimmten Geräuschen oder Stimmen innerhalb eines lauten Umfeldes besonders aktiv. Es scheint darauf spezialisiert zu sein, Sequenzen zu erkennen, zeitliche Muster von akustischen Ereignissen richtig zu erfassen und zuzuordnen.

Linker und rechter Hörcortex verarbeiten die akustischen Signale also auf unterscheidliche Weise. Dabei herrscht stetig ein reger Austausch zwischen den beiden Gehirnhälften.

 

Das Zauberwort im Hörzentrum heißt "Verstehen" oder "Interpretieren". Denn oftmals täuscht sich unser Gehirn, ergänzt fehlende Informationen durch Erfahrungswerte oder durch Dinge, die am logischten erscheinen. Menschen, die an Seelentaubheit leiden, können Geräusche zwar wahrnehmen, sie aber nicht interpretieren und zuordnen.

 

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Erforschung des Hörzentrums ist das Zusammenspiel der einzelnen Sinne. Forschungen haben ergeben, dass das Sehen von Mundbewegungen, die eine Sprache simulieren, das Hörzentrum anregen und trotz Stille aktivieren. Dagegen ließen bloße Grimassen den primären auditorischen Cortex völlig kalt. Ebenfalls stellte man fest, dass das Ansehen eines Sprechers beim Reden die Hörleistung steigert.
Ähnlich verhält es sich mit Tastempfindungen. Gleichzeitiges Fühlen von Gegenständen erhöhten die Aktivität im Hörzentrum.

 

Die Forschungen auf diesem Gebiet sind noch lange nicht abgeschlossen und eines der größten Rätsel scheint das Zusammenführen der Sinne zu einem Gesamtbild zu sein. Denn das Gehirn vollbringt unvorstellbare Leistungen, die teilweise noch wenig erforscht sind.